Wenn man als Freelancer-Familie unterwegs ist, klingt das von außen schnell nach einem ziemlich freien Modell.
Laptop einpacken, WLAN suchen, losfahren, arbeiten wo es schön ist und zwischendurch als Familie die Welt anschauen. So ungefähr stellt man sich das vielleicht vor. Und ganz falsch ist das auch nicht. Es steckt ja genau diese Möglichkeit darin. Wir können unsere Arbeit mitnehmen. Wir brauchen keinen festen Ort, an dem jeden Morgen um Punkt neun das Licht angeht. Vieles von dem, was wir tun, passt in einen Laptop, ein Handy, ein paar Programme und in den Kopf.
Aber so richtig funktioniert es erst, wenn man aufhört, es sich zu romantisch vorzustellen.
Denn unterwegs zu sein bedeutet nicht, dass der Alltag verschwindet. Er kommt mit. Nur anders. Es gibt weiterhin Kundenmails, Abstimmungen, Rechnungen, Deadlines, Kinderlaune, Wäsche, Einkaufen, Essen, Schlafen, Aufräumen und diese kleinen Dinge, die man nicht sieht, wenn man nur ein Foto von einem Laptop auf einem Terrassentisch betrachtet.
Was bei uns gerade wirklich funktioniert, ist deshalb nicht die große Freiheit ohne Struktur.
Es ist eher eine bewegliche Struktur.
Wir leben gerade in einem gemieteten Haus in Mojácar. Das macht vieles einfacher, weil wir hier einen festen Ort haben. Wir haben gutes WLAN, einen eigenen Arbeitsraum und genug Platz, um nicht ständig alles wieder abbauen zu müssen. Für uns ist das ein wichtiger Unterschied. Wir reisen nicht jeden Tag weiter, sondern haben für eine Weile einen Alltag an einem anderen Ort.
Das hilft.
Denn mit Kind und Arbeit braucht man nicht nur schöne Orte, sondern auch Verlässlichkeit. Einen Raum, in dem man die Tür schließen kann. Internet, auf das man sich verlassen kann. Einen groben Plan für den Tag. Und die Möglichkeit, sich abzuwechseln, ohne jedes Mal alles neu zu verhandeln.
Meistens läuft es bei uns so, dass ein Elternteil arbeitet und der andere mit unserem Sohn unterwegs ist oder Alltag macht. Dann wechseln wir. Manchmal nach ein paar Stunden, manchmal nach einem halben Tag, manchmal auch ziemlich spontan, je nachdem, was gerade ansteht.
Das klingt einfach, ist es aber nicht immer.
Denn Arbeit lässt sich nicht immer perfekt in klare Blöcke schneiden. Ein Kundentermin liegt nicht automatisch dann, wenn es gerade gut in den Familienplan passt. Eine dringende Änderung kommt nicht unbedingt in dem Moment rein, in dem sowieso Arbeitszeit wäre. Und ein Kind interessiert sich verständlicherweise nicht besonders dafür, ob gerade noch eine Rechnung geschrieben oder eine Website fertig gemacht werden muss.
Trotzdem ist dieses Wechseln gerade die Grundlage für alles.
Nicht perfekt, aber machbar.
Was auch funktioniert: nicht so zu tun, als müsste jeder Tag gleich aussehen.
Es gibt Tage, an denen wir viel schaffen. Einer ist mehrere Stunden im Büro, der andere geht mit unserem Sohn raus, später wechseln wir und abends wird vielleicht noch etwas fertig gemacht. Dann fühlt sich das Modell ziemlich rund an.
Und es gibt Tage, an denen kaum etwas so läuft wie gedacht. Zu wenig Schlaf, zu viel Sonne, ein Ausflug dauert länger, das Kind hat andere Pläne, eine Mail zieht plötzlich drei neue Aufgaben nach sich. Dann ist der Tag nicht gescheitert. Er ist nur anders gelaufen.
Das zu akzeptieren, ist vielleicht einer der wichtigsten Punkte.
Zuhause hängt man oft stärker an festen Vorstellungen davon, wie ein Arbeitstag auszusehen hat. Man ist in seinen Abläufen drin, in den Wegen, in den Gewohnheiten, in dem Gefühl, dass alles irgendwie so funktionieren müsste wie immer. Unterwegs merkt man schneller, dass es auch anders gehen kann. Nicht unbedingt leichter, aber anders.
Wir arbeiten hier wahrscheinlich nicht weniger als zuhause. Teilweise eher verteilter. Vormittags, wenn es passt. Nachmittags, wenn es nötig ist. Abends, wenn Ruhe ist. Am Wochenende sowieso immer wieder, weil Selbstständigkeit eben selten ganz sauber am Freitag endet.
Was aber besser funktioniert als gedacht: diese Arbeit nicht ständig gegen die Familienzeit auszuspielen.
Wir versuchen, die gemeinsame Zeit wirklich als gemeinsame Zeit zu nehmen. Nicht immer perfekt, aber bewusst. Wenn wir rausgehen, dann möglichst ohne nebenbei ständig aufs Handy zu schauen. Wenn wir am Strand sind, dann nicht nur körperlich. Wenn unser Sohn etwas entdeckt, dann versuchen wir, nicht innerlich schon wieder im nächsten Projekt zu sein.
Das gelingt nicht immer.
Aber es verändert etwas, wenn man es versucht.
Denn gerade unterwegs merkt man, wie schade es wäre, nur an einem anderen Ort dieselbe Unruhe weiterzuführen. Dann könnte man auch zuhause bleiben. Der Punkt ist nicht, Arbeit und Leben plötzlich perfekt zu verbinden. Der Punkt ist eher, besser zu merken, wann man gerade wirklich arbeitet und wann man gerade wirklich da ist.
Unterwegs zeigt sich ziemlich schnell, was wirklich organisiert sein muss und was man nur aus Gewohnheit organisiert.
Bei uns sind das vor allem die Übergaben. Wer arbeitet gerade? Wer ist mit unserem Sohn unterwegs? Gibt es einen Termin, der nicht verschoben werden kann? Muss jemand kurz ungestört telefonieren? Ist irgendetwas dringend oder fühlt es sich nur dringend an?
Das klingt nicht besonders aufregend, aber genau daran hängt viel.
Wenn diese Dinge halbwegs klar sind, wird der Tag ruhiger. Nicht perfekt, aber ruhiger. Dann muss man nicht ständig nebenbei verhandeln, wer jetzt „eigentlich dran“ ist. Und man merkt schneller, wann ein Plan angepasst werden muss, bevor alle genervt sind.
Was ebenfalls funktioniert: weniger Zeug.
Nicht als Minimalismus-Nummer, sondern ganz praktisch. Man merkt unterwegs schnell, was man wirklich braucht. Laptop, Ladekabel, Handy, Kopfhörer, ein paar Programme, Zugangsdaten, Notizen, vielleicht ein zweiter Bildschirm, wenn man länger an einem Ort bleibt. Der Rest ist oft weniger wichtig, als man zuhause denkt.
Genauso ist es mit Plänen.
Ein grober Plan hilft. Ein zu genauer Plan macht eher Stress. Wir müssen wissen, wer wann ungefähr arbeiten kann, welche Termine fix sind und welche Aufgaben wirklich erledigt werden müssen. Aber wir brauchen nicht für jeden Tag eine perfekte Choreografie. Die würde mit Kind sowieso nicht lange halten.
Was besser funktioniert, ist eine Art gemeinsames Grundverständnis.
Wer braucht gerade dringend Arbeitszeit? Was muss heute wirklich raus? Wann nehmen wir uns bewusst Zeit als Familie? Was kann warten, auch wenn es sich kurz wichtig anfühlt?
Diese Fragen klingen unspektakulär, aber sie helfen mehr als jeder perfekte Wochenplan.
Auch die Erwartungen an den Ort müssen stimmen. Mojácar ist schön, das Wetter ist gut, der Strand ist in der Nähe und es gibt viel zu sehen. Aber genau deshalb muss man manchmal auch klar entscheiden, wann man arbeitet und wann man eben nicht arbeitet. Sonst ist man ständig halb im Büro und halb draußen. Und das ist für niemanden besonders gut.
Für uns funktioniert es besser, wenn die Rollen für eine Weile klar sind. Wer arbeitet, arbeitet. Wer mit unserem Sohn unterwegs ist, ist mit unserem Sohn unterwegs. Natürlich gibt es trotzdem Übergänge, kurze Fragen, spontane Änderungen und diese Momente, in denen alles gleichzeitig passiert. Aber zumindest die Richtung ist klar.
Das nimmt Druck raus.
Nicht komplett, aber genug, damit man nicht den ganzen Tag das Gefühl hat, an zwei Orten gleichzeitig sein zu müssen.
Was wir auch lernen: Man muss unterwegs nicht jeden Tag maximal ausnutzen.
Das klingt erstmal komisch, weil man ja an einem besonderen Ort ist. Da liegt schnell dieser Gedanke in der Luft, dass man jeden Tag etwas erleben müsste. Strand, Ausflug, Ort anschauen, Foto machen, Moment mitnehmen. Gleichzeitig läuft aber auch das normale Leben weiter. Manchmal ist ein guter Tag einfach ein Tag, an dem genug gearbeitet wurde, alle gegessen haben, keiner komplett überdreht ist und abends noch kurz Zeit bleibt, draußen zu sitzen.
Das ist nicht spektakulär.
Aber es funktioniert.
Als Freelancer-Familie unterwegs funktioniert also nicht alles.
Aber ein paar Dinge funktionieren ziemlich gut.
Ein fester Ort für eine Weile. Gutes WLAN. Ein echter Arbeitsraum. Klare Wechsel zwischen uns. Weniger Perfektion im Tagesplan. Bewusste Familienzeit. Arbeit in Etappen. Und die Bereitschaft, den Tag nicht sofort als gescheitert zu sehen, nur weil er anders läuft als gedacht.
Es ist kein Modell, bei dem plötzlich alles leichter wird.
Eher eines, bei dem man genauer hinschauen muss.
Was brauchen wir wirklich? Was braucht unser Sohn? Was braucht die Arbeit? Und was davon muss heute tatsächlich passieren?
Manchmal ist die Antwort ziemlich klar. Manchmal nicht.
Aber vielleicht ist genau das gerade der Punkt. Wir testen nicht das perfekte Leben unterwegs. Wir probieren aus, wie Arbeit, Familie und Unterwegssein für uns funktionieren können, ohne dass eines davon ständig komplett untergeht.
Und im Moment heißt das: einer arbeitet, einer ist mit dem Kind unterwegs, dann wird gewechselt. Später sitzen wir vielleicht nochmal am Rechner. Am nächsten Tag gehen wir raus. Zwischendurch wird eingekauft, gekocht, gespielt, gebaut, geschrieben, angepasst, telefoniert und wieder umgeplant.
Eigentlich ziemlich normal.
Nur eben an einem anderen Ort.
Und vielleicht funktioniert es genau deshalb.
