Nach drei Monaten unterwegs sind wir wieder in Deutschland.

Wieder zu Hause.
Im eigenen Bett. Im eigenen Garten. Zwischen Dingen, die wir kennen, Menschen, die wir vermisst haben und Aufgaben, die ziemlich geduldig darauf gewartet haben, dass wir zurückkommen.

Und trotzdem fühlt es sich gerade erstaunlich fremd an.

Nicht Deutschland an sich. Nicht Hamburg. Nicht unser Zuhause.

Eher das Tempo.

Drei Monate sind lang – und gleichzeitig gar nichts

Als wir losgefahren sind, war Frühling.

Jetzt ist August.

Der Garten ist gewachsen, manche Pflanzen ein bisschen mehr als geplant, andere weniger. Im Haus warten Projekte, die vor drei Monaten noch auf irgendeiner imaginären „machen wir später“-Liste standen.

Und natürlich ist auch das normale Leben einfach weitergelaufen.

Mails. Kunden. Rechnungen. Termine. Papierkram. Dinge reparieren. Dinge organisieren. Dinge entscheiden.

Nichts davon ist schlimm.

Im Gegenteil: Es ist schön, wieder hier zu sein.

Und trotzdem merke ich gerade, wie schnell dieser ganze Kram wieder anfängt, wichtig zu wirken.

Vielleicht wichtiger, als er eigentlich ist.

Unterwegs war vieles einfacher

Natürlich hatten wir auch unterwegs Arbeit.

Wir hatten Deadlines. Kunden. Rechnungen. Einen Laptop. schlechtes WLAN. Gutes WLAN. Einen Sechsjährigen, der ziemlich wenig Verständnis dafür hat, dass man „nur noch schnell eine Sache fertig machen“ muss.

Das Leben war nicht plötzlich sorgenfrei.

Aber es hatte mehr Luft.

Wenn wir morgens nicht wussten, was wir nachmittags machen, war das kein Problem.

Dann wussten wir es eben noch nicht.

Wir sind irgendwo hingefahren. Oder nicht.

Wir haben gearbeitet. Sind ans Meer gegangen. Haben Orte entdeckt, von denen wir am Morgen noch nicht wussten, dass sie existieren.

Nicht alles musste geplant sein.

Und vor allem hatte ich viel seltener dieses Gefühl:

Ich müsste eigentlich noch …

Zurück in Deutschland ist der Druck sofort wieder da

Das Interessante ist: Niemand steht hier und macht Druck.

Zumindest meistens nicht.

Und trotzdem ist er da.

Der Kalender füllt sich.

Die ersten Termine stehen drin. Die nächsten Projekte müssen geplant werden. Dinge am Haus wollen gemacht werden. Der Alltag organisiert sich wieder um Uhrzeiten, Verpflichtungen und Wochen.

Und vielleicht ist es genau das, was sich für mich gerade so deutlich verändert hat:

Unterwegs haben wir stärker danach geschaut, **was heute möglich ist.**

Hier denke ich sofort wieder darüber nach, **was diese Woche alles erledigt werden muss.**

Das klingt nach einem kleinen Unterschied.

Für mich fühlt er sich gerade ziemlich groß an.

Vielleicht hat Deutschland sich gar nicht verändert

Vielleicht haben einfach wir uns verändert.

Drei Monate sind lang genug, um sich an ein anderes Leben zu gewöhnen.

An weniger Besitz um einen herum.

An weniger Termine.

An die Tatsache, dass man nicht alles sofort erledigen muss.

Und daran, dass ein guter Tag nicht automatisch ein produktiver Tag sein muss.

Jetzt stehen wir wieder mitten in unserem alten Leben und ich merke, dass ich es nicht einfach genauso weiterführen möchte wie vorher.

Das heißt nicht, dass wir morgen wieder losfahren.

Wir mögen unser Zuhause.

Wir mögen Hamburg.

Wir haben Menschen hier, die wir vermisst haben. Projekte, auf die wir Lust haben. Einen Garten, an dem es immer irgendetwas zu machen gibt. Und gerade beginnt sowieso ein neuer Abschnitt unseres Familienlebens.

Aber vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung:

Wie behalten wir etwas von diesem Unterwegssein, obwohl wir wieder angekommen sind?

Geht das überhaupt?

Kann man in Deutschland leben, arbeiten, Termine haben, Verantwortung übernehmen – und trotzdem nicht wieder in dieses permanente „Ich muss noch“ rutschen?

Kann man sich Freiräume erhalten?

Unter der Woche einfach mal irgendwohin fahren?

Arbeit Arbeit sein lassen?

Nicht jedes freie Wochenende vier Wochen vorher verplanen?

Und kann man dieses Gefühl behalten, das wir unterwegs immer wieder hatten:

Dass nicht alles optimiert werden muss.

Dass nicht jeder Tag ein Ergebnis braucht.

Dass man manchmal einfach losgehen kann und unterwegs schaut, was passiert.

Ich weiß es gerade nicht.

Vielleicht funktioniert es.

Vielleicht hält dieses Gefühl zwei Wochen und dann sitzen wir wieder hier, jonglieren Termine und fragen uns, warum eigentlich schon wieder Freitag ist.

Aber zumindest merken wir jetzt, dass es auch anders geht.

Und das ist vielleicht das Wichtigste, was nach drei Monaten geblieben ist.

Wir sind wieder da.

Aber einfach genauso weitermachen wie vorher?

Das wäre irgendwie schade.