Arbeiten aus Spanien klingt erstmal ziemlich romantisch.
Sonne vor der Tür, Strand in der Nähe, Laptop auf dem Tisch, Kaffee daneben. Und ja, ein Teil davon stimmt auch. Wir leben gerade in einem gemieteten Haus in Mojácar, haben wunderbares WLAN und sogar einen eigenen Arbeitsraum. Eigentlich ist das schon ziemlich luxuriös, wenn man bedenkt, dass draußen das gute Wetter wartet, der Strand nicht weit ist und es jeden Tag irgendetwas Neues zu entdecken gäbe.
Gleichzeitig sind wir aber nicht im Urlaub.
Also nicht so richtig.
Wir sind hier, aber unsere Arbeit ist mitgekommen. Projekte laufen weiter, Kunden schreiben Mails, Websites wollen gepflegt werden, Abstimmungen müssen gemacht werden und am Ende des Monats bezahlt sich das Leben auch in Spanien nicht von allein. Miete, Raten, Rechnungen, Alltag – das alles reist ziemlich zuverlässig mit.
Deshalb sieht unser Tagesablauf oft anders aus, als man es sich vielleicht von außen vorstellt. Ein Elternteil arbeitet im Büro, der andere ist mit unserem Sohn unterwegs oder macht Alltag. Dann wechseln wir. Manchmal funktioniert das gut, manchmal eher so mittel. Und weil wir nicht wollen, dass unser Sohn hier nur neben unserer Arbeit herläuft, versuchen wir die gemeinsame Zeit wirklich freizuhalten.
Das bedeutet aber auch: Wir arbeiten oft abends. Oder am Wochenende. Oder in kleinen Zeitfenstern, die sich irgendwo auftun.
Früher hätte ich vielleicht gedacht, dass man zum kreativen Arbeiten einen festen Ort braucht. Ein gutes Setup, Ruhe, einen großen Bildschirm, eine klare Struktur und am besten mehrere Stunden am Stück. Das ist natürlich alles schön. Und wenn man es hat, nimmt man es gerne mit.
Aber unterwegs merkt man auch, dass Kreativität nicht automatisch am perfekten Arbeitsplatz hängt.
Vor Jahren saßen wir in Venedig mal in einer kleinen Bar in der Ecke, weil dort eine Steckdose war. Wir haben gearbeitet, Kaffee (oder auch etwas anderes ;) ) getrunken und durften nebenbei ein paar Stunden am ganz normalen Baralltag teilnehmen. Menschen kamen rein, bestellten, diskutierten, verschwanden wieder. Es war nicht ruhig, nicht geplant und sicher nicht ergonomisch perfekt. Aber es hatte einen eigenen Vibe. Irgendwie abgefahren und total inspirierend.
In Pisa war es ein Studentencafé. Auch kein klassisches Büro. Aber es ging. Laptop auf, Strom gefunden, Internet irgendwie geregelt, weitergemacht.
Heute ist das fast schon Luxus dagegen. LTE funktioniert fast überall, WLAN meistens auch, Akkus halten länger und mit einem Handy-Hotspot kommt man ziemlich weit. Eigentlich braucht man oft erstaunlich wenig, um arbeiten zu können. Einen Laptop, Strom, Internet und den Kopf, der sich auf den Ort einlässt.
Vielleicht ist genau das der Punkt, den wir gerade wieder merken.
Kreativ ist nicht nur der Ort, an dem der perfekte Schreibtisch steht. Kreativ ist dort, wo man arbeitet. Dort, wo man gerade ist. An einem Küchentisch, in einem Café, in einem gemieteten Haus in Mojácar, auf einer Terrasse oder irgendwo zwischen Alltag, Kind und Kundenmails.
Natürlich ist das mit Kind nochmal eine ganz andere Nummer. Ein Kind ist nicht einfach ruhig, nur weil gerade eine Deadline läuft. Und es wartet auch nicht geduldig, bis man „nur noch kurz“ etwas fertig gemacht hat. Aber auch das gehört für uns gerade dazu. Unser Sohn sieht, dass Arbeit nicht nur dieser leere Raum ist, in dem Mama oder Papa verschwinden. Er sieht, dass Dinge entstehen. Dass man sich konzentrieren muss. Dass Arbeit manchmal am Laptop passiert, manchmal am Telefon und manchmal eben abends, wenn der Tag eigentlich schon fast vorbei ist.
Das ist nicht immer ideal, aber es ist ehrlich.
Und vielleicht ist das auch ein Teil dieser Reise. Nicht nur woanders zu sein, sondern anders mit dem eigenen Alltag umzugehen. Wir arbeiten hier nicht weniger. Wahrscheinlich manchmal sogar mehr oder zumindest verteilter. Aber wir versuchen, die Arbeit so zu bauen, dass trotzdem genug echtes Leben dazwischenpasst.
Mal klappt das gut. Mal weniger.
Manchmal sitzen wir abends noch im Arbeitsraum, obwohl draußen vorher der perfekte Strandtag war. Manchmal ist man müde, weil der Tag aus Familienzeit, Wechseln, Arbeit, Essen, Aufräumen und nochmal Arbeit bestand. Und manchmal öffnet man nach ein paar konzentrierten Stunden die Tür, steht wieder in der Sonne und denkt: Okay, so schlecht ist dieses Büro heute dann doch nicht.
Unser Büro ist gerade also ein richtiger Raum in einem gemieteten Haus in Mojácar.
Aber irgendwie ist es auch mehr als das.
Es ist der Versuch, Arbeit nicht immer nur an einen festen Ort zu binden. Es ist der Versuch, unterwegs weiterzumachen, ohne alles auf später zu verschieben. Und es ist die Erinnerung daran, dass gute Ideen nicht unbedingt am Schreibtisch entstehen müssen.
Manchmal reicht ein Ort, an dem man den Laptop aufklappt.
Und manchmal bringt genau dieser Ort den Vibe mit, den man zuhause lange gesucht hätte.
